was soll das nur, der ganze regen? es scheint, als habe sich das wetter dem jahresstimmungsbild (bis jetzt) angeschlossen und ich finde das nicht so gut. sonst macht mir regen ja überhaupt nichts aus, aber so ein bisschen mehr sonne und blaustückchen vom himmel könnte ich schon vertragen. vielleicht wären dann die momente nicht so wie sie sind, in denen alles noch einmal auf einen zugerollt kommt.
die gefühle, wenn etwas zu ende geht, sind, wenn das ende beginnt und alles offen ist, groß und einnehmend. die gefühle, die später kommen, in den stillen, ruhigen, unscheinbaren und unwirklichen momenten, wiegen noch schwerer, obwohl sie schneller kommen und verschwinden. sie sind einfach so unvermittelt da und dann fühlt man eine leere, die gar nicht fassbar ist. auf einmal steht man zwischen den süßigkeiten im supermarkt und ist verloren. oder erschrickt, wenn der arzt einen mit einem namen anredet, der von jemand anderem vergeben wurde. oder man will, dass die sonne scheint, obwohl man regen mag.. oh these days. ich weiß ja: alles wird besser, mir wurde das glaubhaft versichert (danke dafür, allen). ich glaube das. und denke es laut vor mich hin, in solchen momenten.
der sommer ist da, stundenweise und heimlich angeschlichen, aber dann warm und umarmend. ich habe ihn gefühlt, als ich am wochenende am see war. ich wollte lesen und habe natürlich die ganze zeit geschlafen, unterbrochen von kurzen versuchen, doch eine geschichte zu ende zu bringen. der schlaf hat gesiegt. es war alles gut, für drei stunden und eine kleine ewigkeit. ich habe aufs wasser gestarrt und die kinder bewundert, die tapfer burgen bauten und schon schwimmen waren. habe die zeit vergessen. und mich gefreut, dass die berliner nicht so schnell von miesefrühling auf sommermoment umschalten konnten: es war ganz leer an meinem lieblingssee. das nächste mal halte ich auch die füße ins wasser.
Es ist so schön, seine Freunde glücklich zu sehen, so richtig glücklich und gelassen. Eine Hochzeit hat was für sich: diese Hoffnung, die Zuversicht und der Wille, das Leben gemeinsam zu leben mit allem, was dazu gehört. Es war richtig schön, letzte Woche in Dänemark, auch wenn ich einmal (ganz kurz) ein bisschen traurig war, es war ein Zuckerwattenwochenende.
Die Woche dann war schon nicht mehr so zuckrig, zerpflückte Tage (an denen man so gar nichts schafft) und ganz schön viel zu tun. Es steht auch die nächste Hochzeit ins Haus, und die will gut vorbereitet sein. Details können hier natürlich nicht verraten werden. Ein bisschen Überraschung muss drin sein...
ich schleppe ja im moment so allerlei fragen mit mir herum was mache ich hier eigentlich? warum verstehe ich nichts? wäre ich anders besser? warum vergeht die zeit nicht? (die wunden sind noch offen.) wird es jemals sommer? und versuche mich am leben. ich mache fehler zweimal, dreimal und hoffe, es hört bald auf. ich denke so über mein leben nach, wie ich es noch nie getan habe. das sagt sich so leicht, aber vielleicht spürt man in diesen wandelzeiten alles intensiver. auch die fragen... gut, dass es freunde gibt, die mir antworten in form von gedichten geben. da fällt mir wieder der spruch ein: wenn du einen freund auf der welt hast, bist du ein glücklicher mensch. i have so much more. und nun das gedicht:
von Erich Fried
Dich
dich sein lassen
ganz dich
Sehen daß du nur du bist
wenn du alles bist was du bist
das Zarte und das Wilde
das was sich losreißen
und das was sich anschmiegen will
Wer nur die Hälfte liebt
der liebt dich nicht halb
sondern gar nicht
der will dich zurechtschneiden
amputieren verstümmeln...
Dich
dich sein lassen
ob das schwer oder leicht ist?
Es kommt nicht darauf an
mit wieviel Vorbedacht und Verstand
sondern mit wieviel Liebe
und mit wieviel
offener Sehnsucht nach allem
nach allem was du bist
Nach der Wärme und nach der Kälte
nach der Güte und nach dem Starrsinn
nach deinem Willen und Unwillen
nach jeder deiner Gebärden
nach deiner Ungebärdigkeit
Unstetigkeit Stetigkeit
Dann ist dieses
dich dich sein lassen
vielleicht gar nicht so schwer.
es hat vorteile, allein auf dem land zu sein:
1. man muss nicht sprechen
2. man muss nicht ganz so viel aufräumen
3. man kann den ganzen tag lesen
es hat nachteile, allein auf dem land zu sein:
1. für alles ist man selbst verantwortlich
2. man vermisst seine wohnung, die stadt (!) und die freunde
3. man kann nicht sprechen
noch zwei tage, der regen kommt heute stark von oben und von rechts, es schüttet wie aus kübeln und gerne würde ich länger bleiben. und auch nicht, these are very slow and in a way lazy days. obwohl ich viel mache.
zum beispiel mich aus dem haus aussperren. so ist das, wenn man joggen geht und den schlüssel dann in den sportsachen lässt. nach einer kurzen schocksekunde dann die gewissheit, dass es ja ein geheimversteck mit einem notfallschlüssel gibt. puh. es wird nicht langweilig.
auch nicht die abenteuertouren vom hund und mir. gestern habe ich einen naturweg bei googlemaps gecheckt, um auf halber strecke festzustellen, dass die brücke, die ich benutzen muss, gesperrt ist. toll, also mit dem stadtrad neben dem fluss auf der wiese bis zur nächsten brücke gefahren. macht spaß, wenn man so gar nicht voran kommt. aber ich habe einen neuen weg entdeckt. man muss das positiv sehen. alles.
i thought the hardest part is over. and it is. and it's not.
es gibt schönere tage als diese, an denen man definitiv abschied nimmt. heute habe ich gelesen, wenn man nicht loslassen kann, soll man einfach so tun als ob und dann kommt das loslassen von ganz allein.
vielleicht ist das so, wie die ruhe von allein kommt, wenn man auf dem land ist. die tage haben einen anderen rhytmus, der hund will raus, die hasen futter und das muss ja alles besorgt werden. ich stelle fest: ich kann nur miserabel gras sensen (das ist echt eine kunst) und den hasenstall ausmisten, das bringt einen zurück auf den boden der tatsachen. allen muss gedient werden, irgendwie. und das ist gut.
Kein Mensch kann für längere Zeit zwei Gesichter haben - eines für sich selbst und eines für die Menge -, ohne am Ende unsicher zu werden, welches denn nun das wahre ist.